Die Galerie Dikmayer in den Jahren 2013/14 Ein Rückblick mit Perspektive

Viel bedeutet im umgangssprachlichen Gebrauch fast immer die Angabe einer größeren, aber in ihrer Höhe unbestimmten Menge. Seltener gestalten sich dagegen die Fälle, wo das Attribut „viel“ eine bestimmte Qualität charakterisieren soll, die sich wohltuend von ausschließlich quantitativ definierter Massenware abhebt. In diesem Sinne kann die Teilnahme der Berliner Galerie Dikmayer an jüngsten Ausstellungen und Kunstmessen aufgefasst werden.

Sei es z.B. die maßstabsetzende 17. ART Innsbruck im Februar 2013, die in der Kunstszene über Europa hinaus wirkt oder die 16. Internationale Kunstmesse modernart & phantasticart von Mai bis Juli in Berlin sowie die zur gleichen Zeit stattgefundene 1. Kunstpräsentation in der Feldsteinkirche Ladeburg/Bernau bei Berlin die Vernissage zur Hommage Meret Oppenheim im Artworks Basel/Liestal oder die 2. artbydikmayer basel/liestal – phantasticart international exhibition im August diesen Jahres. Neben den beachtlich angestiegenen Besucherzahlen und der entsprechenden Presseresonanz steigerte sich auf den genannten Messen auch der Verkauf und seine Erträgnisse.

Galeriestandort Dikmayer Fischerinsel-Passage

Mit dem ab 2004 von Joachim Dikmayer praktizierten modernen Präsentationstrend innerhalb der Malereiszene, nämlich zum Organisationsprinzip der Wandergalerie überzugehen, dass er mit dem Maler und Kurator Hartwig Jacoby gemeinsam entwickelte, hat er sich nach erstem Erstaunen später sogar Beifall erworben. Es besteht darin, sich im gläsernen Heimathafen auf der Fischerinsel in Berlin mit flächenmäßig ziemlich überschaubaren 170m² an Ausstellungsraum zu bescheiden, der in seiner nüchternen Klarheit eher einer spartanisch eingerichteten Werkstatt gleicht, den Besuchern dafür aber den unverfälschten Blick auf die gezeigten Bilder bewahren soll. Dieses an den Bauhaus-Stil erinnernde „Scherbenkabinett“ dient Künstlern bei Bedarf auch als Atelier. Währenddessen befindet sich ein anderer Teil aus dem Werkefundus in weiteren Dépendancen in Berlins Mitte, wie beispielsweise im Restaurant Don Giovanni in Moabit Nähe Bundeskanzleramt an der Grenze zu Tiergarten, im nh-Hotel Kurfürstendamm oder ist auf aktuellen Kunstmessen im Dreieck Berlin – Basel – Innsbruck präsent.

Fuchs mit Dikmayer in Wien Cafe Palais Palffy 2012

Durch dieses Rotieren zwischen den genannten Orten wird einem sich spürbar verfeinernden Kunstgeschmack einer wachsenden Publikum- und Konsumentenschar und ihrer stark gestiegenen Kaufkraft in einem weit höheren Maße Rechnung getragen, als es eine traditionelle, standortgebundene Galerie jemals leisten könnte. Auch wird mit dem Prinzip der mobilen Wandergalerie der Funktion des Publikums als einem wichtigen Multiplikator im Kunstbetrieb besser und zielgerichteter entsprochen. Und last but not least entsteht dadurch eine sich kreativ befruchtende Beziehung zwischen dem ästhetisch-ethischen Anspruch von Künstlern und der Lobbyistenfunktion eines Galeristen. Dies alles macht Appetit auf die 18. Art Innsbruck und die 3.artbydikmayer Basel.

Neben den altbewährten klassischen, großen Namen und eigentlichen Schöpfern des Phantastischen Realismus wie Ernst Fuchs und Rudolf Hausner, werden dort erneut Vertreter der jüngeren Generation, die diese Stilrichtung versuchen weiter zu entwickeln, gebührend zu Wort kommen in Gestalt von:Torsten Gebhardt, Kai Hellbardt, Gisela Lehmann, Bernd Schiller, Lutz Schönherr,Hartwig Jacoby, Gina Plunder ( alle Deutschland ), Danny Liska (Österreich) und Pari Ravan (Iran/France).

Es wäre zu erwarten, dass sie sich thematisch wieder in den vertrauten Genres der gegenständlichen bzw. abstrakten Malerei ausdrücken. Doch könnten auch neue, unbekannte Ideen präsentiert werden. So wollen aufmerksame Beobachter dieser Kunstszene z.B. erfahren haben, dass Schiller zur Zeit mit Objekten auf dem von ihm bisher noch nicht beackerten Feld der Installationsmalerei experimentiert. Es scheint sich also zu bewahrheiten, dass von Dikmayers Galerie auch in Zukunft noch so mancher tolle Knüller und die eine oder andere schräge oder extravagante Überraschung an die Wand gehängt wird.

Gut informierte Kreise zufolge soll der gebürtige Sachse und Wahlberliner seine Fühler bereits nach Luxemburg, Nizza und Monaco ausgestreckt haben. Sollte sich dort etwa in Anlehnung an den berühmten Wiener Musikfilm „Ein Blumenstrauß aus Nizza“ heimlich, still und leise aus dem Dreieck ein künstlerisch-magisches Viereck an der Côte-Azur entwickeln?

Dr. Bernd Gottberg